Riccardo Primo (Ga) Nicht die beste Aufnahme… – Bajazet30 – Göttingen, Niedersachsen
Also ich muss doch eine Gegendarstellung zu der überschwenglichen Kritik meines Vorrezensenten abgeben. Zunächst einmal handelt es sich mitnichten um die erste vollständige Aufnahme des Werkes. Es gibt eine hervorragende Einspielung unter Rousset von 1996 – und diese ist der vorliegenden eigentlich in fast allen Bereichen überlegen. Und dies bei den durchaus hohen Ansprüchen an die Interpreten. Sängerisch hat Händel nämlich beim “Riccardo Primo” aus dem Vollen schöpfen können, denn ihm stand gewissermaßen das Dreigestirn der Londoner Sängerszene zur Verfügung: der Kastrat Senesino (Titelrolle) sowie die verfeindeten Primadonnen Bordoni (Pulcheria) und Cuzzoni (Constanza).
Insbesondere in Bezug auf die Titelpartie würde ich Sara Mingardo gegenüber Zazzo deutlich den Vorzug geben. Ihre Stimme zählt zweifellos zu den faszinierendsten, die es im Barockbereich gibt: warm, geläufig, androgyn und unbeschreiblich schön. Ihre Brusttöne sind beispielsweise denen Zazzos deutlich überlegen und auch ihre Koloraturen sind “geläufiger”. Die junge Sandrine Piau (heute ein internationaler Star!) ist sicherlich als Costanza ebenfalls besser als Nuria Rial. Lediglich bei der Pulcheria kann man sich streiten, weil Brua (unter Rousset) ein sehr gewöhnungsbedürftiges Timbre hat.
Außerdem spricht für Roussets Aufnahme, dass ihr noch das Pionierhafte anhaftet. Man merkt, dass sich alle Sänger auf ein Abenteuer eingelassen haben und sichtlich Freude an der Herausforderung gehabt haben. Bei Goodwin klingt alles schon ein bisschen routiniert…
Fazit: Ich würde Roussets Aufnahme den Vorzug geben, auch wenn die vorliegende Aufnahme keinswegs schlecht ist. Drei Sterne gebe ich nur, damit als “Endergebnis” vier Sterne herauskommen – und die hat dieser Riccardo auch verdient…
: RICCARDO PRIMO „Dirigent Paul Goodwin fördert einen in immer neuen Farben leuchtenden Orchestersatz zutage, weiß aber auch die spannungsgeladenen Rezitative dramatisch in Szene zu setzen. Die Ersteinspielung nach der neuen Hallischen Händel-Ausgabe wird durch die Sängerriege zur Referenzaufnahme. Neben den phänomenalen Auftritten von Nuria Rial (Costanza) und Geraldine McGreevy (Pulcheria) gibt Countertenor Lawrence Zazzo einen energiegeladenen Löwenherz.“ – Rheinischer Merkur, 7.2.09
„Die Doppel-CD ist ein Fest für Freunde der Barockmusik.“ – Main Post, 4.2.08
„Die vorliegende Neuaufnahme erscheint rundum gelungen. Alle Vokalsolisten verfügen über schöne, charakteristische Stimmen…Wir haben es hier mit einem jener zahlreichen, relativ unbekannten Werke Händels zu tun, die hinsichtlich ihres Erfindungsreichtums, ihrer melodischen Schönheit und dramatischen Schlagkraft sich hinter den populären Opern dieses Komponisten nicht zu verstecken brauchen – dargeboten in einer Aufnahme, die ein hohes Niveau besitzt.“ – Bayern4, CD-Tipp, 6.2.08
„Die vorliegende Einspielung basiert erstmals auf der neuen kritischen Edition der Hallischen Händel-Ausgabe. Diese unterscheidet deutlich zwischen den verschiedenen existierenden Fassungen. Dadurch wurde es Paul Godwin möglich, seine Einspielung klarer und farbiger zu gestalten… Das Timbre von Nuria Real Timbre besticht durch seine Geschmeidigkeit. Glasklar und rein klingt ihre lyrische Stimme, schlank geführt, leicht und mit nur wenig Vibrato versehen.“ – d.radio.de, 3.2.08
Riccardo Primo (Ga)
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